Kongreß "Heilung u. Neugeburt" 2005 Hildesheim
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
herzlichen Dank für die Einladung, hier heute auf diesem Kongreß in Hildesheim einige einführende Worte sprechen zu dürfen.
Als Barbara Schenkbier mich vor cirka zwei Jahren anrief und mich zu dieser Veranstaltung und zu diesem Vortrag einlud; sagte ich spontan zu.
Ich machte mir in diesem Moment keine großen Gedanken darüber, auf was ich mich da eigentlich einließ.
Schließlich handelt es sich bei unserem heutigen Treffen um einen Kongreß zu geistigen Heilweisen und zur spirituellen Dimension der Heilung.
Je näher nun aber dieser Termin rückte, umsomehr fragte ich mich:
- Was willst Du diesen Menschen eigentlich erzählen?
- Was weißt Du, was diese nicht wissen?
- Was wird sie von dem interessieren, was ich mache ?I
Ich will Ihnen deshalb kurz schildern, welche Arbeit ich täglich mache. Damit Sie wissen mit wem Sie es zu tun haben:
Ich bin ein Praktiker im deutschen Gesundheitswesen. Ich glaube einige von Ihnen wissen, was das heute bedeutet.
Als Neurologe arbeite ich in einer großen Gemeinschaftspraxis in Linden, einem Stadtteil von Hannover.
Linden in Hannover ist das, was Kreuzberg in Berlin ist.
Zu mir kommen täglich viele Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen und Krankheiten:
Vom Hirntumor ohne Aussicht auf Besserung über schwer an Multipler Sklerose Erkrankte bis hin zur unheilbaren Amyotrophen Lateralsklerose. Alles ist vertreten.
Dazu kommen noch die Folgen des sozialen Umbruchs in Deutschland wie Arbeitslosigkeit, Mobbing und deren überwiegend psychosomatische Folgeerkankungen.
Es sind oft genug handfeste Probleme mit Bedrohung der sozialen und oft auch der physischen Existenz.
Da ist bei dem normalen deutschen Bürger keinerlei Raum für spirituelle Fragen!
Heilung ist gewünscht, und zwar möglichst sofort.
Aber Neugeburt ?
Für den Durchschnittspatienten kommt Krankheit entweder von Bakterien oder Viren bzw. einer Beschädigung des Körpers.
"Herr Doktor, da muss doch etwas zu finden sein"
Der Patient hat jahrelang in seine Krankenkasse eingezahlt.
Jetzt legt er sein Leiden bildlich gesprochen auf dem Schreibtisch des Kassenarztes ab!
Der Arzt hat die Ursache zu finden und abzustellen!
Dafür hat der Patient die Krankenkasse bezahlt.
Er erwartet Tabletten zur Heilung. Auch Kuren sind willkommen.
Eigeninitiative endet spätestens bei der Frage der Ernährung oder beim Gebrauch von Suchtmitteln.
Das ist mein täglicher Alltag.
Und da soll ich Ihnen etwas von Heilung erzählen?
Etwas von Neugeburt?
Meine Damen und Herren,
Was ist Heilung?
Was hat denn Heilung mit Neugeburt zu tun?
Ist Neugeburt Reinkarnation?
Führt eine Neugeburt oder ein Neuanfang notwendigerweise zu einem besseren Zustand ?
Vor diesem Hintergrund entschloß ich mich Ihnen einleitend zu diesem Kongreß einfach eine Geschichte zu erzählen:
Diese Geschichte handelt auch von Heilung und von Neugeburt.
Kürzlich war ich auf einem Seminar über Akupunktur bei einem international sehr bekannten chinesichen Lehrer, Heiler und Feng-Shui-Meister in Linz im schönen Österreich.
Seinen Namen nenne ich ganz bewusst nicht.
Bei den Teilnehmern handelte es sich um weit fortgeschrittene Feng-Shui-Experten und Heiler.
Sie hatten sich alle schon länger einer sogenannten spiritueller Schulung unterzogen.
Es war der zweite Tag zur Mittagspause und ich hatte einen Riesenhunger.
Beim Verlassen des Saales wurde ich von einem Ehepaar angehalten und die Ehefrau fragte mich wörtlich:
"Kannst Du uns sagen, welche Ausbildung man noch machen kann, wo man noch hingehen kann, wenn man schon so weit in spiritueller Hinsicht ist wie wir? Könne wir uns darüber bitte jetzt unterhalten?"
Wie schon gesagt, ich war sehr hungrig. Also bot ich ein Gespräch bei einem gemeinsames Essen an.
Die Dame wollte aber nicht essen sondern sich spirituell entwickeln.
Wir sprachen dann später noch mehrfach kurz miteinander. Ich erfuhr daß sie auch aus Hannover seien.
Ein längeres tiefer gehendes Gespräch über weitere Fortbildungen fand aber nicht statt.
Nach drei Tagen verließ ich das Seminar, welches sich noch über eine ganze Woche erstreckte.
Ich war längst schon wieder im Alltagsgeschehen der Praxis versunken als sich die oben genannte Dame, diesmal als Notfall-Patienten, bei mir meldete.
Sie brauche einen sofortigen Termin, denn sie sei auf dem Seminar lebensgefährlich an einer Gehirnblutung erkrankt. Sie habe immer noch starke Kopfschmerzen
Sie erschien dann, völlig aufgelöst vor Angst und kaum noch Herr ihrer Sinne in meiner Praxis. Der Ehemann begeleitete sie war ebenfalls erheblich besorgt.
Die Patientin flog an "Hand und Fuß". Sie war nur mit Mühe kommunikationsfähig.
Die Anamnese ergab dann die folgende Geschichte:
Während des Seminars waren bei ihr sehr starke Kopfschmerzen aufgetreten. Diese Kopfschmerzen hatte sie auch schon früher, aber jetzt waren sie besonders schlimm.
Der Seminarleiter war ja ein international anerkannter Heiler.
Die Patientin bat ihn um Rat.
Der Seminarleiter war gerne zur sofortigen Hilfe vor den Teilnehmern des Seminars bereit. Er demonstrierte eine Heilsitzung, indem er seine Hände auf den Kopf der Patienten legte und sich in Trance begab.
Während dieser Behandlung teilte er der Patienten und dem versammelten Seminar mit, daß sie eine Hirnblutung habe. Diese sei lebensgefährlich. Nur dadurch, daß er sofort zu Stelle gewesen sei und diese sofort habe behandeln können, werde sie diese Krankheit überhaupt überleben.
Die Kopfschmerzen waren anfänglich gelindert und die Patientin war sehr froh, diesen grossen Heiler an ihrer Seite gehabt zu haben.
Nach der Heimkehr nach Hannover traten dann die Kopfschmerzen aber verstärkt wieder auf. Und damit natürlich auch die Angst vor dieser so bedrohlichen Blutung im Kopf.
Meine Damen und Herren, ich habe diese Patienten daraufhin sehr gründlich untersucht einschließlich EEG, Ultraschall der Hals- und Kopfgefäße und einschließlich einer Magnet-Resonanz-Tomographie des Gehirns.
Eine Blutung im Gehirn hinterlässt im Magnet-Resonanz-Tomogramm sichtbare und eindeutige Spuren. Blut enthält Eisen; und dieses ist auch nach einer Blutung ,die ausgeheilt ist, noch eine Zeit sichtbar
Meine Damen und Herren, diese Patientin war körperlich vollkommen gesund.
Sie fühlte sich aber todkrank!
Die erweiterte Anamnese ergab, daß sie als leitende Managerin in einer großen Firma eine riesige Verantwortung zu tragen hatte.
Sie arbeitete jeden Tag mindestens zwölf Stunden und sie schlief seit Monaten keine Nacht mehr richtig durch.
Die Wochenenden verbrachte sie zusammen mit ihrem Ehemann meist auf spirituellen Seminaren.
Was war nun geschehen?
Der international bekannte chinesische Meister und Heiler hatte eine riesengroße Autorität für diese Patientin.
Von Ihm hatte sie sehr viel gelernt.
Sein Wort war für sie ein unumstößliches Gesetz.
Und dieses Wort hat sie krank gemacht.
Seine Diagnose einer Hirnblutung gab der schon vegetativ entgleisten Patientin den Rest, und führte sie an den Rand der Verzweiflung.
Und hier, meine Damen und Herren, sehen sie die Bedeutung des Glaubens für unsere Gesundheit. Wenn wir glauben daß wir krank sind, dann fühlen wir uns auch bald krank.
Wenn zu uns jemand sagt: "Wie siehst Du denn aus, bist du krank?"
Dann ist es nur eine Frage der Zeit und wir finden auch, daß irgendetwas nicht stimmen kann.
Ich möchte hier nur an die Rolle des VOODOO erinnern.
Meine Zeit ist zu kurz, um hier näher auf die Rolle des Glaubens bei Krankheiten einzugehen.
Zurück zu unserer Geschichte:
Die Behandlung durch mich bestand vor allem in vielen Gesprächen, einer längeren Krankschreibung sowie der Gabe eines Antidepressivums in einmaliger Abenddosis, damit die Patienten wieder normal schlafen lerne.
Weiterhin in einer Akupunkturbehandlung.
Der Kopfschmerz war das geringste Problem und nach wenigen Tagen nicht mehr vorhanden.
Aber!!!!! Sie glauben ja gar nicht, wie mühselig es war, der Patientin klar zu machen, daß ihr großer Meister mit seiner Diagnose unrecht hatte.
Gegen dessen Autorität kam ich als kleiner Kassenarzt anfänglich nicht an.
Genauso mühselig war es, dieser so leistungsorientierten Patientin klar zu machen: "Sie machen sich selber krank".
Sowohl ihre Arbeit als auch ihre spirituellen Seminare hatten zu einer völligen Entfremdung von sich selbst und ihrer körperlichen Basis und damit zu dem Zusammenbruch geführt.
Der Kopfschmerz war letztlich nichts weiter als ein Hilfeschrei Ihres Körpers und auch Ihrer Seele.
Der Erfolg dieser mehrmonatigen Behandlung war dann verblüffend:
Die Patientin gab ihre extrem gut bezahlte und angesehene Arbeit auf. Mit der ihr eigenen Energie verschaffte sie sich eine gute Abfindung ihres Arbeitgebers Sie kaufte sich dann ein Hotel an der Ostsee.
Dieses wollte sie dann zusammen mit ihrem Ehemann betreiben Nachdem sie diese Entscheidung gefällt hatte, war sie nicht mehr wieder zu erkennen. Sie blühte auf, war voller Energie und Tatendrang und schwärmte von ihrem zukünftigen Leben. Kopfschmerzen hatte sie nicht mehr. Sie schlief prächtig und brauchte auch keinerlei medikamentöse Hilfe mehr.
So verzog sie an die Küste. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört. Ich denke, dies ist ein gutes Zeichen.
Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte?
Zum einen zeigt sie wie Heilung nicht durchgeführt werden sollte.
In unserer heutigen Gesellschaft ist Krankheit ein Stigma.
Das Leistungsvermögen ist reduziert!
Der Kranke kann sich in der Leistungsgesellschaft nicht behaupten. Deshalb muß die Krankheit weg ! So schnell wie möglich!
Aber die alleinige Symptom-Beseitigung ist keine Heilung!
Zum anderen zeigt meine Geschichte: Der Heiler darf sich nicht zum Gott erheben. Der Patient darf nicht autoritär abhängig gemacht werden.
Vor allem aber zeigt sie: Es gibt nichts Schlimmeres als eine negative Suggestion.
Ein Wort kann Berge versetzen! Sie alle kennen diesen Satz.
Heilung kommt immer von innen, immer aus der inneren Überzeugung und immer aus dem eigenen Glauben.
Sei es der Glaube an ein Medikament, an den Arzt oder einen anderen Helfer, an sich selbst oder an Gott.
Es gibt genug wissenschaftliche Untersuchungen über die positive Rolle des Glaubens bei der Genesung. Diese Untersuchungen werden sogar von Schulmedizinern akzeptiert.
Meine Damen und Herren,
Meine Geschichte zeigt noch etwas anderes:
Nämlich die manchmal fatale Rolle der oft selbsternannten geistigen Führer und Lehrer.
Unter Ausnutzung des Wunsches der Menschen nach spiritueller Erkenntnis wird nur zu gerne den Versprechungen derartiger Lehrer gefolgt.
Dabei wird übersehen, daß Gott nicht irgendwo im Universum fern und unerreichbar umherschwebt und vor allem, daß er keines Mittlers bedarf.
Meine Damen und Herren, diese meine Geschichte zeigt eine Heilung durch das Finden des eigenen Ich´s.
Die Patientin konnte sich von ihrem fremdbestimmten hektischen Leben distanzieren und einen eigenen persönlichen Lebensweg finden.
Diesen Weg fand sie nicht mit Hilfe eines Gurus, sondern vielmehr einfach durch die anfänglich äußere und später auch innere Ruhe.
Durch die medikamentöse Behandlung und durch die Akupunktur fand sie wieder zu ihren Energie-Ressourcen.
Durch das Erleben des einfach Angenommenseins durch ihren Arzt wurde das Selbstvertrauen gestärkt und die Selbstakzeptanz möglich.
So konnte sie den Kontakt zu den tieferen inneren verschütteten Anteilen ihres eigenen Selbst wiederfinden.
Damit fand sie letztlich auch den Weg zum Göttlichen wieder.
Sie kam damit in die göttliche Einheit und damit zum "Heil".
Und dies ist nach meiner Meinung der wesentliche Teil ihrer Heilung.
Sie bedurfte dazu nicht der heilenden Hände eines Heilers und auch nicht der asketischen Strenge eines Gurus.
Sie hat sich letztlich selbst geheilt.
Und ich habe sie dabei begleiten dürfen.
Meine Damen und Herren!
Ich habe viele Jahre meines Lebens mit dem Studium verschiedener Heilweisen verbracht. Ich war dazu auch bei mehren Heilern.
Ich habe mich auch mit dem Phaenomen Sai-Baba beschäftigt.
Mir ist in meinem bisherigen ärztlichen Leben eines klar geworden und ich möchte es noch einmal ausdrücklich betonen:
Heilung kommt immer von innen, immer aus der inneren Überzeugung und immer aus dem inneren Glauben.
Und hier begegnen sich die Religion und die Medizin.
Wenn Gott in uns ist, dann können wir ihn auch nur in uns finden.
Dies ist ja das eigentliche Wesen aller Heilung.
Ich habe immer wieder erleben dürfen, dass eine schwere Krankheit nach einiger Zeit zu einer tiefen Akzeptanz des Lebens und der Krankheit und zu einem tiefen inneren Frieden führt. Der Tod wird akzeptiert.
Es kommt nicht zur Heilung im Sinne einer Beendigung der Krankheit. Die Heilung besteht letztendlich in diesem tiefen inneren Frieden und auch in dem akzeptierten Tod, welcher dann das Leiden beendet.
Und aus diesem Weg nach innen, zur eigenen Quelle, ergibt sich dann auch die so oft beschworene und angestrebte sogenannte Erleuchtung, als höchstes Ziel des Strebens, ganz von selbst.
Denn was ist Erleuchtung oder auch Heilung anderes als die tiefe innere Erkenntnis:
"Ich bin"
Und diese Erkenntnis wird durch Kontemplation ermöglicht. Der Vorteil der Kontemplation liegt ja gerade auch im Verzicht auf einen Vermittler zwischen Gott und den Menschen.
So wünsche ich uns allen für den heutigen Tag einen erfolgreichen und angenehmen Kongreß.